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| KINO KINO OKTOBER 2003 Goff in der Wüste Bruce Goff , sagt Heinz Emigholz, sei ein großer Meister des Raumes gewesen. Einer, der Raum so herrlich kompliziert denken konnte wie kaum ein anderer. Das hat Emigholz fasziniert. Sein Dokumentarfilm "Goff in der Wüste", der in diesem Jahr auf der Berlinale uraufgeführt wurde und nun, mit zwei Kopien, ins Kino kommt, ist ein ambitiöses Architektenporträt. Eine intensive, äußerst seriöse Kultur- und Kunstbetrachtung, der das Motto "Architektur als Autobiographie" zugrunde liegt. Emigholz, der in seinen Dokumentationen immer auch selbst Kamera macht, hat Goffs Bauten filmisch festgehalten: Zwei Stunden lang zeigt er uns die 62 (!) Gebäude des amerikanischen Architekten, die seit den frühen 20er Jahren entstanden sind. Zwei Monate lang ist Emigholz für dieses Projekt durch die USA gereist, immer auf der Suche nach Goffs Bauwerken. Hat er sie gefunden, hat er sie abgefilmt: "mit dem größtem Aufwand, wie beim Spielfilm, mit Dolby Digital Stereo und 35mm". Wer diese Bilder sieht, so der Filmemacher, der habe das Gefühl, er sei an dem betreffenden Ort und gehe dort spazieren. Sein Blick, dem er mit der Kamera folgt, ist dabei äußerst präzise. Emigholz liebt das Spiel mit den Perspektiven, und so hat er Goffs Häuser aus den verschiedensten Blickwinkeln abgefilmt, in starren und unkommentierten Einstellungen. "Mit einer bestimmten Kameraarbeit darauf zuzugehen und mit diesen schon präfabrizierten Räumen wiederum einen imaginären Raum in der Zeit zu produzieren, das war großartig", schwärmt Emigholz. Architektur wird, Emigholz sei Dank, nun filmisch erfahrbar gemacht. Sicherlich, Emigholz' Architektenporträt ist gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht jedermanns Sache, Goffs unkonventionelle Entwürfe, sei es nun ein Museum, ein Iglu-ähnliches Holzhaus oder ein Tankstellenhäuschen, in aller Ruhe zwei Stunden lang auf der Leinwand zu betrachten. Seine Filme, sagt Heinz Emigholz zurecht, seien "Hardcore-Dokumentarfilme" - eben alles andere als leicht konsumierbar. Wer das weiß, der kann sich getrost darauf einlassen. Und staunt, möglicherweise, nicht schlecht, wie im Kino die Architektur plötzlich zum Leben erwacht. Heidi Reutter nach oben |